Antisemit_Innen und Antiamerikanist_Innen den Boden nehmen – der Jugendantifa Göttingen keinen Raum!

Am 17.09.2011 fand in Kassel eine unter dem Motto „Wehret den Zuständen – aktiv gegen Nazis und Rassismus“ angemeldete Demonstration statt. Aufgerufen hatte das „Bündnis gegen Rechts“, welches sich aus einem breiten Spektrum gewerkschaftlicher und antifaschistischer Gruppen zusammensetzt.
Um eine möglichst hohe Teilnehmerzahl zu erreichen, beschränkte man sich auf die Ablehnung von Nazis als Minimalkonsens, was zur Folge hatte, dass sich auf der Demonstration verschiedenste, häufig sich gegenseitig widersprechende, Gruppierungen wiederfanden.
Dieser Widerspruch manifestierte sich bereits zu Beginn, als Träger_Innen der Fahne des israelischen Staates immer wieder, maßgeblich auch aus dem bürgerlichen Lager, bepöbelt wurden, zwei in aller Konsequenz augenscheinlich treu gebliebene Fans des Nazi-Rappers „Makss Damage“ dessen Lied „Tötet diese antideutschen Hurensöhne“ anstimmten und  unter anderem durch Mitglieder der Jugendantifa Göttingen eindeutig gegen jene Fahnen gerichtete Parolen gerufen wurden. Für uns stellt sich schon hier die Frage, was jene, die sich derart fanatisch gegen denjenigen Staat stellen, der als Konsequenz aus der Shoa entstand und bis heute allen von Antisemitismus bedrohten Menschen einen Schutzraum bietet, auf einer antifaschistischen Demonstration verloren haben.
Aber als wären diese Zustände nicht schon als solche unhaltbar, kulminierten die Machenschaften der linksdeutschen Reaktion schließlich im Übergriff auf einen Genossen, der im Begriff war, eine USA-Fahne zu hissen, wobei ein eindeutig der Göttinger Jugendantifa zuzuordnender junger Mann die Fahne entwendete und damit in der Menge verschwand. Dass die Vereinigten Staaten von Amerika maßgeblich an der Niederringung des nationalsozialistischen Deutschlands beteiligt waren und somit die US-Fahne auf einer gegen Nazis gerichteten Demonstration absolut legitim und angebracht ist, das scheint den selbsternannten „Antifaschist_Innen“ aus Göttingen entgangen zu sein. Ihr Hass auf jenen Staat, der für bürgerliche Freiheit und das (im Kapitalismus natürlich nicht einlösbare) Glücksversprechen gegenüber dem bürgerlichen Subjekt steht, der Symbol für Aufklärung und Progression ist und dessen Truppen bemüht sind, diese auch in Länder zu tragen, in denen faschistische Diktatoren mit äußerster Gewalt versuchen, die Barbarei aufrecht zu halten, zu erweitern und damit jede kommunistische Emanzipation zu verunmöglichen, dieser Hass zeugt nicht etwa von einer besonders stumpfsinnigen Form des Antinationalismus. Er zeugt von tief sitzendem Ressentiment, gerichtet gegen die Freiheit des Individuums, die Aufklärung und den Fortschritt und damit gegen die Möglichkeit des Besseren, die Möglichkeit der kommunistischen Emanzipation.
Als die Besitzer_Innen der Fahne schließlich nach Ende der Demonstration das Gespräch suchten, um selbige zurück zu erhalten, stießen sie erwartungsgemäß auf wenig Verhandlungsbereitschaft. Als ein Genosse schließlich nach der sich in einem Beutel befindenden Fahne zu greifen versuchte, begannen die Mitglieder der Jugendantifa Göttingen auf diesen einzuschlagen, sodass er zu Boden ging, wo er weiterhin mit Tritten traktiert wurde. Daraufhin entstand ein kurzes Handgemenge zwischen dessen Genoss_Innen und den Göttinger_Innen, welches jedoch schnell von der Polizei unterbunden wurde. Die Göttinger_Innen machten sich daraufhin daran, zum Bahnhof zu gehen, um wieder nach Hause zu fahren. Infolgedessen gingen auch die Besitzer_Innen der Fahne zum Bahnhof, welchen sie aufgrund besserer Ortskenntnisse vor ersterer Gruppe erreichten und wo sie ein weiteres Gespräch zu suchen gedachten.
Die Göttinger Jugendantifas, die den Wartenden derweil vorwarfen, diese hätten ihnen „aufgelauert“, beteuerten nun jedoch, die Fahne nichtmehr bei sich zu haben. Es folgte ein weiteres Mal eine verbale Auseinandersetzung, die wieder in ein Handgemenge mündete, in welchem sich die Göttinger_Innen nicht scheuten, Gebrauch von ihren Fahnenstöcken zu machen. Durch herbeieilende Sicherheitsleute der Bahn wurde die Situation schließlich aufgelöst.
Dieses Verhalten der Göttinger Jugendantifa ist für uns nicht hinnehmbar. Wer Träger_Innen der Fahnen Amerikas und Israels bepöbelt und angreift, und das auf einer Bündnis-Demonstration, hat nichts mit progressiver, emanzipatorischer Politik zu tun. Mit ihrem Handeln hat die Göttinger Jugendantifa sich als Kooperationspartner für uns endgültig disqualifiziert und wir fordern hiermit alle progressiven Gruppen und Einzelpersonen dazu auf, eine Zusammenarbeit mit jener in Zukunft vor dem hier geschilderten Hintergrund zu überdenken.

Antisemitismus und Antiamerikanismus entgegentreten!
Keine Zusammenarbeit mit regressiven Linken wie der Jugendantifa Göttingen!
Über die Verhältnisse hinaus, statt dahinter zurück – für den Kommunismus!

Ak Emanzipatorische Kommunist_Innen, im September 2011


7 Antworten auf „Antisemit_Innen und Antiamerikanist_Innen den Boden nehmen – der Jugendantifa Göttingen keinen Raum!“


  1. 1 123 29. September 2011 um 16:28 Uhr

    „…dessen Truppen bemüht sind, diese auch in Länder zu tragen, in denen faschistische Diktatoren mit äußerster Gewalt versuchen, die Barbarei aufrecht zu halten, zu erweitern und damit jede kommunistische Emanzipation zu verunmöglichen…“
    Verstehe ich das richtig, dass die US Truppen dann bspw. in Afghanistan, dem Irak oder Vietnam FÜR den Kommunismus kämpfen bzw. gekämpft haben? Zumindest indirekt?
    Da scheint aber so einiges falsche gelaufen zu sein.

  2. 2 Dominik 29. September 2011 um 18:48 Uhr

    Oh super, für diese Anpissung wurde jetzt ein neuer „Arbeitskreis“ und Blog eröffnet?
    Und das Schwenken von Nationalfahnen ist jetzt total emanzipatorisch und gar keine Provokation auf einer Bündnisdemo gegen Nazis? Ich find das nicht gut, was da geschah, aber – verdammt nochmal – ich hasse Menschen, die glauben, die absolute Wahrheit gepachtet zu haben und Polizei im eigenen Spektrum spielen mehr, als junge, vielleicht etwas überaktionistische, aber eben auch vielleicht noch nicht 10 Jahre in „emanzipatorischen“ Hinterzimmerdenkzirkeln alles über Gut und Böse gelernt habenden, AktivistInnen, die mal etwas über das Ziel hinaus schießen.

  3. 3 wolfgang 30. September 2011 um 12:51 Uhr

    na klar sind bestimmte nationalfahnen „auf einer bündnisdemo gegen nazis“ provokationen – gegen nazis eben. hat ja offensichtlich geklappt.

  4. 4 aus göttingen 30. September 2011 um 13:10 Uhr

    also ich bin ja jetzt auch kein ami fan
    und israels politik gegenüber den palästinänsern halte ich auch nicht für gerechtfertigt
    aber DAS geht eindeutig zuweit! mensch kann sich doch zusammensetzten und ganz normal zu dem thema diskutieren.
    aber wer hinter diesen leuten steckt, kann mensch sich ja denken. wir hatten hier schon öfters probleme mit diesen kindern.

    mit solidarischen grüßen,
    ein*e Göttinger*in

  5. 5 ben 30. September 2011 um 16:55 Uhr

    USA-Fahnen auf Demos find ich auch nicht gut, aber Leuten diese dann wegzunehmen und Handgreiflich zu werden, ist ein absolutes NoGo. Und Menschen anzupöbeln, zu bedrohen oder anzugreifen die Israelfahnen zu einer solchen Demo mitnehmen zeigt ein dermaßen unreflektierstes – antisemitisches Verhalten. Israel ist unteranderem als Konsequens aus der Shoah entstanden, bietet den einzigen Schutzraum für jüdische Menschen und ist der einzige wirklich demokratische und moderne Staat im Nahen Osten. Aber das ist ja nur der Gipfel des Eisbergs… Sind wahrscheinlich die selben Leute, die in Göttingen Intifada und Tötet alle Antideutschen an die Wände sprayen bzw schreiben…

  6. 6 name 30. September 2011 um 18:32 Uhr

    Israel ist nicht nur eine Konsequenz der Shoa, sondern inzwischen auch ein definitiv nicht emazipatorischer, kriegsführender Staat. Eine solche Fahne abzudrängen oder jemanden aufzufordern, diese zu entfernen (wobei in Kassel rein gar nichts gegen die Israelfahne geschah) kann durchaus legitim sein – Angriffe auf verwirrte Antid-Kiddys dagegen nicht (was auch in Kassel nicht geschah, die haben selbst die Auseinandersetzung gesucht).

  7. 7 BgA-Kassel 04. Oktober 2011 um 16:14 Uhr
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